2.) soziologisches Menschenbild

Der Mensch unterscheidet sich von untermenschlichen Lebewesen durch die Fähigkeit
in abstrakten Begriffen zu denken, Entscheidungen zu treffen und zwischen verschiedenen
Möglichkeiten auswählen zu können. Der Mensch ist ein sich selbst
lenkendes Tier. Er kann konzipieren und kalkulieren, er kann planen und für
seine Zukunft planen. Er besitzt die Fähigkeit über seine eigenen
Aktionen und Reaktionen nachzudenken. Er ist für sein Verhalten verantwortlich
und kann anderen gegenüber Pflichtbewusstsein entwickeln.
Nicht alle Menschen sind gleich sozial, intelligent und willensstark und nicht
jeder nützt seinen Verstand und seine Fähigkeiten voll aus. Manche
soziale Außenseiter oder Verbrecher zeigen von sozialen Normen abweichendes
Verhalten. Trotzdem haben diese Menschen die Möglichkeit zu normalem, den
sozialen Maßstäben entsprechendem Verhalten.
Der einzelne Mensch ist eine Einheit , eine in sich geschlossene Person. Jeder
Versuch ihn als bloßen Bestandteil seiner natürlichen und kulturellen
Umwelt oder eines Gruppengeistes zu sehen, führt in wissenschaftlichen
Unsinn. Andererseits bedeutet diese Einheit der menschlichen Person nicht, dass
der Mensch nur von einem einzelnen Gesichtspunkt aus studiert werden darf, da
die menschliche Person zahlreiche Aspekte und Facetten hat. Der Mensch ist ein
einheitliches aber zugleich auch ein zusammengesetztes und komplexes Wesen!
Die Biologen, Anatomen und Pathologen erkennen die physiologische Einheit des
Menschen. Ethiker, Moralisten und Theologen sehen hingegen die moralische Einheit
des Menschen.
Psychologen, Psychoanalytiker und Psychiater die psychologische Einheit mit
bewussten Wünschen und unbewussten Trieben.
Die Wissenschaft der Soziologie beschäftigt sich mit verschiedenen Arten
von Personen und es folgt aus ihrer Arbeitsteilung auch nicht, dass ein und
dieselbe Person in getrennte Teilstücke zerfällt. Die menschliche
Person, die unter all diesen verschiedenen Aspekten erforscht wird, studiert
auch der Soziologe. Nur eben wieder unter einem anderen Aspekt.
Jeder neugeborene Mensch bedarf menschlicher Fürsorge und Gemeinschaft. Er ist durch seine Natur auf die Gemeinschaft mit anderen angelegt ( Aristoteles). Rousseau stellte sich die Menschen als Individuen vor, die durch Regeln eine Gesellschaft bilden.Wir Menschen können gar nicht mehr ohne Gesellschaftlichkeit leben oder überleben. Obwohl der Mensch in einer Gemeinschaft lebt, geht das Individuum nicht verloren. Nach der Enstehung der individuellen Lern- und Entwicklungsfähigkeit bekommt die Ebene des sozialen eine große Bedeutung. Jetzt setzt der Mensch sich mit seiner Rolle in der Welt auseinander und die aktive Anpassung des gesellschaftlichen Lebensprozessen an die Anforderungen der Außenwelt beginnt. Der bestimmende Prozess im gesellschaftlichen Leben ist die Arbeit, der zur Lebenserhaltung dient und die Menschen zusammen bringt.
Eine Gesellschaft ist jedoch nicht die Summe der Individuen. Menschliche Individuen tragen die Gesellschaftlichkeit und die konkrete Gesellschaftsform in sich. Zur Eingliederung des Individuums in die Gesellschaft wird jedoch kein Bindemittel, wie z.B. Macht oder Geld benötigt.
Vieles, was meist nur in Bezug auf den Einzelnen diskutiert wird, wie Existenzsicherung oder Bedürfnisbefriedigung, , erweist sich bei jedem einzelnen Menschen als gesellschaftlich bestimmt. Zur Existenzsicherung gehört nicht nur die Erhaltung des eigenen Organismus und die Fortpflanzung, sondern auch die Schaffung verallgemeinerter Lebensbedingungen. Menschliche Bedürfnisse sind nicht dann befriedigt, wenn seine persönlichen Mangel-,Not-oder Bedrohungssituationen befriedigt sind, sondern erst dann, wenn sich das Individuum zusätzlich im Zustand der gesellschaftlichen Abgesichertheit befindet.
Stefanie Zumkeller und Michaela Stoll ; März 2003 ; Gk Reli NGO 13