Evolution und Schöpfung

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4. Synthese von Evolution und Kreation

Betrachtet man die beiden Theorien über die Entstehung des menschlichen Lebens getrennt, so erscheinen sie unvereinbar. Zu unterschiedlich sind ihre Ausgangspunkte und Vorgehensweisen, was die Erklärung der menschlichen Existenz und die der Erde anbelangt: die Evolutionslehre ist die Menschenlehre, die Schöpfungslehre die Lehre von Gott.
Während die Naturwissenschaftler davon aussgehen, dass alles materielle Sein auf dem Weg der Evolution zu immer höheren Seins- und Lebensformen bis hin zum Menschen geführt wird, glauben die Schöpfungstheoretiker der Bibel, dass die Schöpfung auf ein metaphysisches Wesen-Gott- zurückgeht und schließen somit eine Entwicklung vom Elementarteilchen zu komplexen Lebensformen aus.

Bei näherer Betrachtung hebt sich die anfängliche Widersprüchlichkeit von Evolution und Schöpfung auf. Es wird klar, dass sie sich vielmehr ergänzen, denn sie betrachten dieselbe Wirklichkeit, jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Evolution ist ein empirischer Begriff, der auf das "Horizontalen Woher" und das raum-zeitliche Nacheinander der Geschöpfe eingeht. Evolution setzt immer schon etwas voraus, das sich verändert und entwickelt.
Schöpfung ist ein theologischer Begriff und fragt nach dem "Vertikalen Warum" und "Wozu" der Wirklichkeit. Schöpfung zeigt somit warum und wozu etwas ist, das sich verändern und entwickeln kann.

P.Teilhard de Chardin hat einmal gesagt: " Gott macht, dass sich die Dinge selber machen."

Dieses Zitat stellt die Kernaussage unserer Synthese von Evolution und Kreation dar.
Selbst große christliche Kirchen verweisen heute auf die zeitgeschichtliche Bedingtheit der Heiligen Schrift und lehnen somit eine wörtliche Auslegung dieser ab. Ihr Anliegen ist es nicht, so die Theologen, die Entstehung der Welt und des menschlichen Lebens chronologisch und rational verständlich zu erklären und darzustellen. Vielmehr zeigt die Heilige Schrift das Verhältnis Gottes zum Menschen auf. Der Schöpfungsbericht ist nicht als Antithese zur Evolutionstheorie zu sehen (der Mensch wurde am sechsten Tag von Gott erschaffen // Evolution: Mensch hat sich aus Elementen entwickelt), sondern ergänzt diese - allerdings nur, wenn man von der wörtlichen Auslegung Abstand nimmt.
So wird in der Bibel vielmehr auf die Beziehung des Menschen zu Gott und der Welt eingegangen:
Gott hat den Menschen als sein Abbild erschaffen und spricht ihm somit die im Grundgesetz geschützte unantastbare Würde zu.
Des Weiteren hat der Mensch als Gottes Ebenbild an dessen Freiheit und Schöpfungshandeln teil. Er wurde mit der Aufgabe
beauftragt, über die Erde und seine Mitgeschöpfe zu herrschen. Auch wird betont, dass das menschliche Leben von Gott in Freiheit angelegt wurde - er muss folglich Verantwortung für sein Handeln übernehmen und kann sich auch von Gott lösen.
(Genesis 1-3)
Um auf unsere Kernaussage zurückzukommen, auch die katholische Kirche hat 1996 offiziell ihre Einwände gegen die Evolutionstheorie revidiert.
Gott hat die Dinge so geschaffen, dass sie in der Lage sind, sich selbst weiterzuentwickeln und so dem Prinzip der Evolution zu folgen ( vgl. auch Aristoteles:"Der unbewegte Beweger" ). Gott lässt die Geschöpfe bei ihrer Entwicklung jedoch nicht allein, sondern ist ihr ständiger Begleiter. Hierfür lassen sich keine naturwissenschaftliche oder rational erkennbaren Beweise finden - hier setzt der Glaube an Gottes Allgegenwart an.

Dass es gelingt, Glaube und Naturwissenschaft auch in der Praxis zu vereinen, lässt sich gut im Schulalltag beobachten. Wir selbst wurden von einem Lehrer zum Abitur geführt, der uns sowohl in der Mathematik, Physik und Religionslehre unterrichtete.

 

 

 

Katharina Albiez & Dorothea Ebi, April 2003 Grundkurs Religion

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